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Manta, Manta - oder wie der Traum vom goldenen Fuchsschwanz in Erfüllung ging
Ein Erlebnisbericht der besonderen Art über eine besondere Veranstaltung

Samstag, 1. August 1998, 15.48 Uhr, so mancher Vertreter einer automobilen Minderheit - die der Manta-Fahrer - hätte mich an diesem Tag bewundert, gar mit großen Augen angeschaut. Ich war Besitzer eines Manta B/GTE. Ein 115 PS starkes Renngerät -195er auf Alu, 2000ccm Hubraum und flach wie die berühmte Flunder - wartete nun auf sein ersten Einsatz beim Legendären Aschener Stoppelfeldrennen. Traurig war an dem besagten Samstag im August eigentlich nur der erste Halter dieser Kiste. Am Telefon kamen noch die typischen Attribute wie Topzustand, kein Ölen, Reifen IOO%ig, kein Rost u.s.w. rüber und ich dachte mir nur: das kennt man ja - kein Fahrzeug für eine Spitzenposition. Als ich dann das Renngerät in Osnabück-Voxtrup in Augenschein nahm, sah es wirklich nicht schlecht aus. Nun merkte auch der Verkäufer, daß ich es ernst meinte und das Ding mitnehmen wollte. Melancholisch verriet er mir noch, daß das Fahrzeug ihn bei geleisteten 195.000 km nie im Stich gelassen hätte. Darauf konnte ich ihm nur entgegnen, daß sich dieser Zustand bald ändern würde. Genug vieler Worte, noch einmal hin und her überlegt und schon wurde die rote Nummer geordert, um diesen Traum aus Blech und Gummi in die heimatliche Rennschmiede zur weiteren Vorbereitung zu überführen. Ach übrigens mit 250 Schleifen konnte er die Trennung von seinem Schmuckstück verschmerzen - sah halt gut aus, der Manta.

In Wersen bei Osnabrück wurde dann das Fahrzeug in der Woche vor dem Rennen auf den nötigen Renntrimm für solch eine Belastung gebracht. Reifen wurden nachgeschnitten und die Batterie stärker befestigt. Eine effektvolle Lackierung wurde aufgelegt und natürlich die Entfernung von so unnötigen Bestandteilen wie Kofferraumdeckel, Sitze (außer natürlich der Fahrersitz), Beifahrertür u.s.w. war unerläßlich.

Leider trat auch noch ein Problem auf. Dummerweise waren beide hinteren Federn der Stoßdämpfer gebrochen - sowas war nicht mehr zu schweißen. Also haben wir die Geschichte mit 1mm starkem Draht zusammengeflochten (es hat die 5 Läufe überlebt!).

Natürlich mußte ich in dieser Woche vor dem Rennen auch in so manch' qualvoller Situation meinen Mann stehen. Kaum jemand kann sich die Pein vorstellen, wenn ein Manta vor der eigenen heimischen Garage positioniert wird und allem Augenschein nach auch noch die sogenannten Tuner-Aufgaben erledigt werden. Als ich dann am Freitagmittag vor dem Rennen noch einen letzten Blick über die vor purer Kraft strotzende automobile Materie schweifen Ließ war ich mir sicher, daß mich allein der Geist sämtlicher produzierter Mantas, in die vorderste Reihe katapultieren müßte.

Es waren auch die Testläufe vor der Garage, die mich in diesem Gedanken bestärkten. Wenn ich meinem Mechaniker das Zeichen für "start the engine" gab, war es nicht ein normaler Otto-Motor der dort zum Leben erweckt wurde - nein, man vernahm von vorn unter der Haube ein rauchendes Brüllen - es war halt 'n richtiger Manta. Genug der Philosophie ! Die Überführung des Fahrzeugs auf das Renngelände in Dissen-Aschen verging reibungslos. Auch die erste Testrunde mit meinem Manta auf dem großflächig angelegten Circuit verlief tadellos. Ich war eigentlich weiterhin überzeugt, mich mit diesem Auto in der Gewinnerspur zu bewegen.

Der Vorstart schickte sich an. Ich Ließ den "Renner" in einer souveränen Art anlaufen - nein, auffauchen. Ich war mir sicher, daß so manchem Gegner Angst und Bange war. Beim Start erwischte ich eine gute Linie, aber völlig unerwartet trat das ein, was ich niemals befürchtet hatte. Der Schaltvorgang vom ersten in den zweiten Gang wollte partout nicht vonstatten gehen. Es wurde ganz schön rumgerührt in meinem sequentiellen Getriebe. Ich mußte das Renngerät leider einmal komplett stoppen, um dann nochmals im zweiten Gang durchzustarten. Trotz Aufholjagd blieb uns aber nur noch der letzte Platz. Es schien mir, als wäre aus dem anfänglichen Fauchen schlagartig ein weinerliches Krächzen geworden.

Ein kurzer Funktionstest ergab, daß das Problem für den weiteren Verlauf des Rennens keines mehr sein sollte. Als der zweite Lauf an diesem Nachmittag gestartet wurde, hieß es zunächst nur, an der Konkurrenz dranzubleiben. Zu meiner eigenen Überraschung konnte ich aber dann im Laufe der ersten Runde in Führung gehen, verfolgt von einem sehr aufdringlichen Ford Granada (ich nehme mal an mit einer 2,3Ltr-Maschine), der sich äußerst formatfüllend in meinem Rückspiegel darbot. Kurz darauf kam auch schon sein Angriff - nur hatte er wohl nicht erkannt, daß vor Ihm ein Manta seine Runden drehte und nicht irgendein "Atterweltsfahrzeug". Das Duell endete mit einem heftigen Einschlag in meiner Fahrerseite, aber mein Manta gab nicht auf. Er trug mich trotz des kleinen Zwischenfalls heldenhaft zum Sieg, worauf mir mein Mechaniker Carsten V. nur entgegnete: "I’m glad, it's you".

Der dritte Lauf endete wieder mit einem technischen Defekt getreu dem Motto "hopp oder top". Ein Staubfänger in Form eines Strumpfes vor dem Einlaß des Luftfilters hatte eine Ladung Schmutz abbekommen. Der Einlaß war damit nur noch zu rund 40% geöffnet, was selbst ein Manta mit seiner unbändigen Kraft nur müde rumschaukeln ließ.

Zum vierten Lauf gibt es nicht mehr viel zu sagen. Durch die beiden Nuller im ersten und dritten Rennen war die Konkurrenz in diesem vierten Rennen nicht sehr stark - mein Manta konnte überlegen gewinnen und meine Aufgabe bestand nur darin, Ihn einigermaßen in der Fahrspur zu hatten.

Zum Start des fünften und letzten Laufs hatte mein Manta irgendwie nur noch die Glut des Feuers aus den ersten Rennen in sich. Er war nicht mehr so angriffslustig. Spannung kam nur noch durch ein, zwei Positionskämpfe auf. Am Ende reichte es dann zum dritten Platz und in der Endabrechnung müßte ein Platz um 20 herausgekommen sein. Dies war aber eigentlich auch völlig unwichtig, da es an diesem Tag nur darum ging, einem Fahrzeug, dessen Geburtsstunde auf der Rennstrecke lag, einen würdigen Abschied zu ermöglichen. Und mein Manta kämpfte an diesem Tag wie "der Löwe mit dem Messer zwischen den Zähnen".

Für dieses Jahr wäre eine Neuauflage ganz nett, obwohl diese Raritäten deutscher Ingenieurskunst fast völlig ausgero(s)ttet sind. Na, nun denn, dann halt' vielleicht einen anderen Renner aus der Schmiede von Adam Opel ? - der Senator 3.0i soll ja mächtig gehen - Angebote sind immer willkommen !

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