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Der große Preis von Aschen
oder die Geschichte des Stoppelfeldrennens

Das Aschener Stoppelfeldrennen kann auf eine lange Geschichte zurückblicken.
So wurde bereits 1962 "Der große Preis von Aschen" ausgefahren, und das mit allem, was zu einem richtigen Altwagen-Rennen gehört: Einer damals noch frei wählbaren Strecke mit markierten Wendepunkten, die es zu umfahren galt, einen mehr oder weniger festgelegten Rennablauf, durch den man sich bis zum Titel durchkämpfen mußte, Traktoren für die Liegengebliebenen, Polizei für die Sicherheit, Starter, Streckenposten und Siegerehrung für die Teilnehmer, Würstchen und Getränke für die Zuschauer, hin und wieder ein brennendes Auto für die Feuerwehr, und natürlich die Rennfahrzeuge: Von "hübsch bemalt" bis "zorniger Renn-Look" präsentierte sich die ganze Bandbreite damaliger Kraftfahrzeuge. Ob BMW-Isetta, Goggomobil, DKW und Bretzelkäfer, oder Opel Kapitän und BMW-V8, alles was vertreten war, fand ein ehrenvolles Ende auf dem Acker.
Eine aus heutiger Sicht nicht nur für Oldtimer-Freaks unglaubliche Vorstellung.

Zu Werbezwecken wurden Pferde vor die Altwagen gespannt und in den umliegenden Gemeinden das Rennen angekündigt. Der Lohn aller Bemühungen: eine rundherum tolle Veranstaltung. Regionale Stoppelfeldrennen waren damals so neu und ungewöhnlich wie populär. Bei weitem hatte nicht jeder ein fahrbaren Untersatz; mit 18 den Führerschein und zum Geburtstag: "wie nur'n 50PS Golf". Aber der Zeitgeist motorisierte sich zusehens, der Freizeitsport auch !

Mit wachsender Teilnehmer- und Zuschauerzahl 1963 wurde der Austragungsort 1964 nach Borgloh verlegt. Die Aktiven organisierten sich im "Motor Sport Club - Osnabrück", der unter anderem heute noch die Rennen in Ledde-Tecklenburg organisiert. Das Rennen bekam einen Schirmherrn, es wurde Eintritt genommen, den Erlös bekam die "Aktion Sorgenkind" und es bekam auch einen neuen Namen: "Das erste Teutoburger Wald Rennen".
Auf dem mit Strohballen abgegrenzten Rundkurs lauerten die Rennfahrzeuge an der Startlinie, die dazugehörigen Fahrer warteten gespannt in einiger Entfernung. Der Startschuß fiel und die schnellsten Läufer fuhren als erste auf die Strecke. Leider ist ein so schöner "Le Mans-Start" aus Sicherheitsgründen heute nicht mehr möglich. Zu viele Fahrer würden sich im Eifer des Gefechts nicht richtig anschnallen, es unterwegs versuchen oder es ganz vergessen. Ein Problem, das 1964 nicht so recht existierte. Die wenigsten Fahrzeuge waren mit funktionstüchtigen Sicherheitsgurten ausgestattet, was den Fahren bei einem Überschlag eine gehörige Portion blaue Flecke einbrachte. Solche Erlebnisse, und die von kräftigen Blattfedern beschleunigten Hopser ausgefahrener Ackerfurchen brachten den Fahrern auch nach und nach den Helm näher. Ansonsten paßte sich das Sicherheitsbestreben dem Leistungsstand der Technik an. Die meisten Fahrzeuge waren übergewichtig und nur schwach motorisiert, grobstollige Reifen waren eher selten, Überrollbügel oder Eigenbauten gab es so gut wie nie. Sollte sich einmal so ein 6-Volt Käfer von der Bahn verirren, so schaffte er es gerade noch auf die Strohballenbegrenzung, aber bestimmt nicht wieder runter.

Was dem Spaß an der Sache aber keinen Abbruch tat, und außerdem: so viel schneller sind wir heute auch nicht.
Die Autos wiegen nicht einmal mehr die Hälfte und haben mindestens doppelt so viel PS. Richtig schnell wird's halt erst ab ein PS pro kg. Man möge nachsichtig mit mir sein. Ich habe meinen inneren Schweinehund noch nicht auf Kw umstellen können. Zur Erinnerung, mittlerweile so rum : 1 Kw = 1,36 PS.
Zurück zum Spaß. Da das Teilnehmerfeld in Borgloh um mehr als das doppelte angestiegen war, und teilweise sogar an die hundert Fahrzeuge gleichzeitig starteten, war jeder sehr bemüht den Wiedererkennungswert seines Renners zu steigern. Denn nicht nur das Ego wollte sein Recht, vielmehr wollte man auch jede Runde die man fuhr von den Zeitnehmern registriert wissen. Bei dem riesigen Starterfeld und der Länge des Rennens, ca. 45 min (genaueres bis heute nicht überliefert, für sachdienliche Hinweise aber immer dankbar), nicht immer eine einfache Angelegenheit! Auch Renn-Teams wurden gebildet, von denen mir die Babyblauen-Blauen-Blütenzarten-Köln-Haferflocken-BMW-V8īs am besten gefallen haben. So waren die meisten Fahrer mit optischen Vorbereitungen beschäftigt. Einige erleichterten Ihre Renner um den einen oder anderen Kotflügel, was bei Käfern sehr beliebt war. Andere verzichteten auf Innenausstattung, Hauben oder Stoßstangen. Manche trieb der rennsportliche Ergeiz so weit, nach einer verlorenen Runde mit dem nächstbesten Küchenmesser solange die Reifen zu bearbeiten bis die Hände lahm, das Messer stumpf, und dem Grip genüge getan war. Ab 1964 entwickelte sich dieser Zweig der Stoppelfeld-Familie durch jährliche Veranstaltungen bis zum heutigen Tage eigenständig weiter. In Aschen jedoch wurde es ruhiger um die Stoppelfeldrennen und bald fand keine nennenswerte Veranstaltung mehr statt. Erst 1980 wurde nach einigen Jahren kleinerer Rennen das "Stoppelfeldrennen" so langsam wiederbelebt. Das Starterfeld von damals ca. 20 Fahrzeugen wuchs ebenso schnell an wie die Anzahl der Zuschauer. Von Jahr zu Jahr immer größer und professioneller aufgezogen, etablierte sich das Stoppelfeldrennen im regionalen Veranstaltungskalender. Die abendliche Runde bei der man in so einer lauen Augustnacht am Lagerfeuer inmitten der am Tag zu Schrott gefahrenen Autos die ganzen "wennīs" und "haste gesehnīs" mit der ein oder anderen Kiste Pils Revue passieren lies, entwickelte sich zur Open-Air-Party "Rock am Ring" in Aschen. Ein spannender Renntag, Siegerehrung mit Freibierrunde, feiern und abzappeln unter freiem Himmel, diese einzigartige Kombination machte das Stoppelfeldrennen so erfolgreich. 1988 erfolgte wegen zu großer Überlegenheit die Aufteilung der Rennfahrzeuge in zwei Klassen. Eigenbauten, Aufgeladene-und Allrad-Fahrzeuge starten ab jetzt in der "offenen Klasse" . 1995 : Bürgermeister und Pastor treten ihr "Don Camillo & Peppone-Rennen" zugunsten eines größeren Teilnehmerfeldes ab. Aus Organisatorischen Gründen wird der Verein "Aschener Stoppelfeldrennen e.V." gegründet. 1998: Sie lesen gerade die Online-Ausgabe der "Aschener Rennzeitung". Wir wünschen weiterhin viel Spaß beim Rennen und nicht vergessen : Tüchtig Feiern für ein guten Zweck!

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